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Wie wird wohl die nächste Olivenernte? Stimmen direkt aus dem Olivenhain
23. Jul 20266 Min. Lesezeit

Wie wird wohl die nächste Olivenernte? Stimmen direkt aus dem Olivenhain

Im Juli beginnt die wichtigste Wachstumsphase der Olivenfrucht. Ein guter Zeitpunkt bei meinen Produzenten quer durch ganz Italien, vom Gardasee bis nach Sizilien, nachzufragen: Wie viele Früchte hängen dieses Jahr am Baum? Sind sie gesund? Ist die Wetterlage günstig? Was ist jetzt gerade zu tun? Noch liegen entscheidende Wochen vor Erntebeginn im Herbst vor ihnen. Hier im O-Ton die ersten Einschätzungen der Produzenten:

Furio Battelini, Leiter der Ölmühle der Erzeugergenossenschaft Agraria Riva del Garda, nördlicher Gardasee:

"In diesem Jahr spielt uns der Zyklus der Alternanz* in die Hände: Die Bäume hängen voller Oliven – allerdings ohne dass es zu einer Überproduktion kommt. Wir haben gelernt, dass es in ertragreichen Jahren ratsam ist, die Bäume etwas stärker zurückzuschneiden, um auch für das Folgejahr einen Ertrag zu sichern. Zudem liefert ein übermäßiger Fruchtbehang oft Öl, dem es etwas an Charakter mangelt und so keine Spitzenqualität erreicht, häufig bedingt durch eine unzureichende Reifung der Früchte. Die große Hitze im Juni und Juli wirkte als natürlicher Schutz gegen die Olivenfliege**: Extreme Hitze macht die erwachsenen Tiere unfruchtbar und verhindert so das Entstehen neuer Generationen. Auch an Wasser hat es uns bislang nicht gemangelt. Niederschläge fielen genau zu den kritischen Zeitpunkten und glücklicherweise verfügen wir auch über Bewässerungssysteme, was unerlässlich ist, da die Bäume auf flachgründigen Böden wie bei uns sonst stark leiden würden."

Eleonora Berardi von Palazzo di Varignana, Emilia Romagna, östlich von Bologna:

"Wir sind mit der Situation in unseren Olivenhainen insgesamt zufrieden. Die agronomischen Bedingungen sind sehr gut: Die Regenfälle im Frühjahr halten den Boden feucht, während die hohen Temperaturen der letzten Wochen die Bäume vor Schädlingsbefall – etwa durch die Olivenfliege* – schützen. Jetzt ist die Phase, in der die Oliven rasch wachsen. Wir nähern uns dem Zeitpunkt der Kernbildung. Die Reifung scheint dem Zeitplan um etwa eine Woche voraus zu sein."

Paolo Digaetano von Fonte di Foiano, Toskana, südlich von Livorno:

"Der Jahrgang entwickelt sich gut! Die Hitze hält die Olivenfliege* fern, und wir bewässern, wo immer es möglich ist. Wir werden vermutlich, wie üblich, gegen Ende September mit der Ernte beginnen."


Nico Sartori von der Fattoria Altomena, Toskana, östlich von Florenz:

"Die Saison verläuft bisher gut! Früchte hängen reichlich an den Bäumen, und es gibt dank der hohen Temperaturen, die zwar für uns belastend sind, aber eben auch für die Olivenfliege*, keinen Befall. Wir hoffen auf baldigen Regen, da wir keine Möglichkeit zur Bewässerung haben."

Filippo Alampi von der Fattoria Ramerino, aus den süd-östlichen Hügeln um Florenz:

"Die Situation in Bagno a Ripoli ist ähnlich wie die bei Nico von der Fattoria Altomena in Pelago. Konkret haben wir in diesem Jahr einen starken Erziehungsschnitt bei unseren Bäumen durchgeführt, d.h. der Ertrag wird etwas geringer ausfallen, auch wenn das Wetter günstig war und wir eine üppige Blüte sowie einen ordentlichen Fruchtansatz verzeichnen konnten. Die Trockenheit könnte allmählich zum Problem werden und ich hoffe, dass sie nicht dazu führt, dass der Baum übermäßig Oliven abwirft."

Tommaso Masciantonio von Trappéto di Caprafico, bei Chieti in den Abruzzen:

"Ich bin gerade sehr mit technischen Umstellungen in meiner Ölmühle beschäftigt. Was die Lage im Olivenhain angeht: Bis jetzt scheint es ein sehr gutes Jahr zu werden. Von der Olivensorte Intosso werde ich ein bisschen weniger Menge haben als letztes Jahr, denn während der Blütezeit gab es einige sehr heiße Tage, sodass einige Blüten vor ihrer Zeit vertrocknet sind. Ansonsten passt momentan alles. Hoffen wir, dass es so bleibt!"

 Pietro Intini von Olio Intini, Apulien bei Alberobello:

"Nach einem milden Winter und einem regenreichen Frühjahr mit reichlich Wasser war die Blüte und der Fruchtansatz gut. Jetzt ist es sehr heiß, was uns zu schaffen macht, aber die Olivenfliege* unter Kontrolle hält. Ein wenig Regen würde jetzt nicht schaden. Es ist noch zu früh, um vorherzusagen, wie die Ernte werden wird. Da müssen wir bis Ende September warten."

Virgilia Rotaru von Olio Ciccolella, Molfetta bei Bari, Apulien: 

"Hier in Molfetta hatten wir einen besonders regenreichen Frühling mit starken Temperaturschwankungen. Das begünstigte eine reichliche Blüte und einen darauffolgenden üppigen Fruchtansatz. Zu Sommerbeginn sind die Temperaturen gestiegen und bleiben hoch. Dies versetzt die Bäume in den genau richtigen Stresszustand, um den Polyphenolgehalt in den Oliven zu erhöhen. So erwarten wir auch in diesem Jahr eine hervorragende Ernte. Aktuell haben wir keine Probleme mit der Olivenfliege*. Wie schon in den Vorjahren besprühen wir unsere Bäume mit Kaolin (Porzellanerde). Diese ökologische Maßnahme schafft eine Schutzbarriere sowohl gegen Insekten als auch gegen Hitzestress. Nach Regenfällen, die das Kaolin von den Bäumen waschen, wiederholen wir den Vorgang.

Wir bewässern unsere Olivenhaine mit einem Unterflurbewässerungssystem. Bei dieser Methode wird das Wasser über in etwa 30 cm Tiefe verlegte Tropfschläuche direkt in den Wurzelbereich der Olivenbäume geleitet. Das hat viele Vorteile: Es minimiert die Verdunstung und maximiert die Wassereffizienz. So wird Verschwendung vermieden und gleichzeitig eine optimale, wirksame Wasserversorgung der Bäume sichergestellt."

Michele Librandi von Tenute Librandi, nördliches Kalabrien:

"Letztes Jahr hatten wir eine sehr ertragreiche Ernte, weshalb wir in diesem Jahr wegen der Alternanz* weniger Oliven erwarten. Das heiße Wetter hält die Olivenfliege in Schach. Wir hatten eine Woche mit Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad! Unsere jüngeren Olivenhaine werden mit einem modernen System bewässert, sodass wir deren Bewirtschaftung – zumindest was die Wasserversorgung betrifft – präzise steuern können. Natürlich geben wir wie immer unser Bestes, um höchste Qualität zu erzielen!"

Antonella Titone von Titone, Trapani, nordwestliches Sizilien:

"Die Olivenbäume sind in gutem Zustand! Dank der ergiebigen Regenfälle im letzten Winter und unserer Bewässerungsanlage, die an einen künstlichen See gekoppelt ist, leiden sie jetzt nicht unter der Hitze. In diesen Tagen werden wir über eine Blattbewässerung ein zweites Mal Basaltmehl in unseren Olivenhainen ausbringen. Wir wirtschaften zu 100 Prozent ökologisch und das Basaltmehl schützt die Bäume sowohl vor der Olivenfliege* als auch vor den hohen Außentemperaturen und wirkt gleichzeitig als Pflanzenstärkungsmittel. Die nächsten Wochen sind sehr wichtig für eine gute Ernte!"

Sebastiano Salafìa, Frantoi Cutrera, Chiaramonte Gulfi, südöstliches Sizilien:

"Unser Sommer ist heiß, wie für Sizilien typisch, aber bisher sind wir von den extremen Hitzewellen verschont geblieben, die andere Regionen Italiens und Europas getroffen haben. Die Oliven sehen vielversprechend aus. Wir hatten keine nennenswerten Probleme mit der Olivenfliege* und die Aussichten für die nächste Ernte sind positiv. Angesichts unserer Erfahrungen der letzten Jahre (Anmerkung: widrige Wetterverhältnisse kurz vor oder bei der Ernte) bleiben wir aber vorsichtig mit unseren Prognosen. Es stehen noch einige entscheidende Phasen bevor, konkret bedeutet das:

 Es wäre wichtig, in der zweiten Augusthälfte etwas Regen zu bekommen, um die letzte Phase der Fruchtentwicklung zu unterstützen.

Wir hoffen, dass die zweite Septemberhälfte keine übermäßig hohen Temperaturen mit sich bringt, da anhaltende Hitze die Reifung der Oliven beschleunigen und somit den Ansatz an Fruchtfleisch verringern könnte.

  Und wir hoffen, dass es während der Erntezeit nicht zu starken Regenfällen kommt. Wenn die Bäume zuvor im Sommer unter Wassermangel leiden und dann innerhalb kurzer Zeit viel Wasser erhalten, nehmen die Oliven eher durch Wasseraufnahme als durch Ölbildung an Gewicht zu; dies kann die Qualität beeinträchtigen und auch dazu führen, dass Früchte vom Baum fallen.

Aus diesem Grund warten wir lieber noch einige Wochen ab und beobachten weiterhin den Verlauf der Saison. Wir sind derzeit verhalten optimistisch, wissen aber, wie schnell sich das Wetter ändern und das Endergebnis beeinflussen kann."

 Die Berichte stammen von Juli 2026

*Alternanz: genetisch bedingte Schwankung des Fruchtertrags im zweijährigen Rhythmus bei Olivenbäumen. Auch aus dem Obstanbau bekannt.

**Die Olivenfliege ist Feind Nr. 1 des Olivenbauerns. Darum wird sie in fast jedem Bericht der Produzenten thematisiert. Die Weibchen der Olivenfliege stechen die unreifen Olivenfrüchte an und legen ihre Eier darin ab. Die sich daraus entwickelnden Larven fressen sich durch das Fruchtfleisch der Oliven mit später verheerenden Auswirkungen auf die Qualität des Öls. Ab Temperaturen über 34 Grad Celsius hält die Olivenfliege "Siesta" und ist kaum noch unterwegs und wird auch unfruchtbar. Steigende Temperaturen bedeuten weniger Olivenfliegenbefall. Der wohl einzige positive Effekt des Klimawandels.

Foto: Olivenhain von Palazzo di Varignana, Emilia Romagna, Juli 2026

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